„Interessiert Politik eigentlich niemanden mehr?!“ Diesen Eindruck hatte Karin Logemann, SPD-Vorsitzende des Unterbezirks Wesermarsch, angesichts der nach und nach schwindenden Wahlbeteiligung gewonnen. Doch gleichzeitig wird sie eines Besseren belehrt, sitzen ihr doch hier in der „Gaststätte Schütte“ zwölf unternehmungslustige Jusos im Alter zwischen sechzehn und zweiunddreißig Jahren gegenüber.
Dass Politik sie sehr wohl interessiert, merkt man sofort – nicht nur daran, dass sie an diesem Freitagabend voller Optimismus zusammengekommen sind, um einen neuen Vorstand des Juso-Unterbezirks Wesermarsch zu wählen. Nein, auch in der Vorstellungsrunde der zu Wählenden wird schnell klar, wie viel den jungen Männern daran liegt, sich gemeinsam ins politische Geschehen einzumischen. Als Vertreter des Bundestages ist Holger Ortel erschienen. In seinem Grußwort macht er den Jusos Mut: „Die Wesermarsch ist schon immer von Haus aus rot gewesen. Das Problem ist nur, dass leider längst nicht alle zur Wahl gehen. Aber das könnt ihr ändern!“
Der Vorsitzende des Juso-UBs Marcel Schmikale ist ganz ähnlicher Meinung und erkennt schon erste Zeichen des Erfolgs, betrug doch die Kommunalwahlbeteiligung in Berne ganze 69 Prozent – heutzutage ein beachtlicher Wert. Dass sich die Jusos heute neu konstituieren, sei aber vor allem Karin Logemann zu verdanken, die in Lemwerder einen Neuanfang gewagt habe, nachdem die Jusos im letzten Jahr teilweise nur noch zu dritt die Versammlungen bestritten hätten.
Bei den anschließenden Wahlen zum Vorstandssprecher können sich Marcel Schmikale, Dennis Tosun und Jan Olof von Lübken gegen zwei weitere Mitbewerber durchsetzen. Als Beisitzer werden Kai Ammermann, Robin Boosmann, Marten Gerjets, Jana Langner, Christian Nowski, Dominik Ohl, Frederik Tappe und Yener Türkcan gewählt. Neuer Schriftführer ist Christian Detje, unterstützt von seinem Stellvertreter Mark Steinke.
Zum Schluss macht Jan Olof von Lübken allen Anwesenden noch einmal deutlich, wie wichtig regelmäßige Treffen für den Zusammenhalt der Jusos sind. Deshalb schlägt er vor, dass sie so oft wie nötig, mindestens aber alle zwei Monate zusammenkommen sollten. Markus Dollerschell ergänzt, dass eine ganztägige Klausurtagung sicherlich eine wertvolle Grundlage für die zukünftige Arbeit der Jusos wäre.
Es fällt schwer zu glauben, dass sich so viel Tatendrang nicht ansteckend auf die Beteiligung an der nächsten Wahl auswirken wird. Ob davon auch die SPD profitieren wird, bleibt abzuwarten. Die Jusos sind da aber sehr zuversichtlich.